Gebärden

Portmann und Porta

Seit Andrina 2.5 Jahre alt ist, benutzen wir die gebärdenunterstützte Kommunikation (GUK). Diese Methode soll Kindern mit einer verzögerten Lautsprachentwicklung eine Kommunikationsmöglichkeit bieten und das Erlernen der expressiven Sprache unterstützen.

Wir verwendeten die ersten vier Jahre "Wenn mir die Worte fehlen", eine von Anita Portmann erarbeitete Begriffs- und Gebärdensammlung für Menschen mit einer geistigen Behinderung, die sich mit Hilfe der Lautsprache nicht oder nur ungenügend verständigen können. Bei der gebärdenunterstützten Kommunikation werden die Gebärden immer zusammen mit dem gesprochenen Wort verwendet.

Als Andrina 6 Jahre alt war, stellte ihre Schule (und somit auch wir) auf PORTA-Gebärden um. Das ist die Deutschschweizer Sammlung von Gebärden, die den Möglichkeiten und Bedürfnissen von Menschen mit geistiger und mehrfacher (Sinnes-)Behinderung entsprechen.

Andrina und die Gebärden

Die Einführung der Portmann-Gebärden brauchte viel Geduld. Wir haben mit einigen wenigen Gebärden von Tieren angefangen, und diese vor allem im Zusammenhang mit Kinderliedern (z.B. "Ente" in "Alle meine Entchen") oder Bilderbüchern eingeführt, da Andrina zu diesem Zeitpunkt schon sehr an Tieren interessiert war und ihr Lieder schon immer sehr gut gefallen haben. Es dauerte etwa ein halbes Jahr, bis Andrina endlich Interesse an den Gebärden zeigte.

Plötzlich fing sie an, auf unsere Hände zu schauen, wenn wir die Gebärde machten - und noch intensiver und fordernder schaute sie, wenn wir sie nicht machten. Nach diesem kleinen Erfolgserlebnis haben wir immer wieder mal eine neue Gebärde eingeführt. Neben den Tieren waren dies vor allem Gebärden des Alltags zuhause, beispielsweise "essen", "trinken" oder "Händewaschen".

Es dauerte aber noch etwa ein weiteres Jahr, bis Andrina die Gebärden selber machen wollte. Da sie motorische Probleme hat - und sie sowieso von der gemütlicheren Sorte Mensch ist - hat sie uns dazu einfach ihre Händchen entgegengestreckt, so dass wir mit ihren Händen die Gebärde machen konnten. Nun wussten wir, dass unsere Mühen nicht vergebens waren und sie sich tatsächlich dafür interessiert.

Im Alter von etwa fünf Jahren begann Andrina dann, den ersten Begriff selbst zu gebärden: "essen". Mit dem Eintritt in den Kindergarten, in dem sehr viel gebärdet wird, machte Andrina in Sachen Gebärden grosse Fortschritte.